Prävention


Die kindliche Entwicklung verläuft in mehreren, aufeinander aufgebauten Stufen. Da jedes Kind unterschiedlich viel Zeit braucht, um die verschiedenen Etappen zu durchlaufen, sind zeitliche Verschiebungen der Entwicklungsschritte normal. Das Kind muss aber alle Entwicklungsstufen durchlaufen und ausreichend Erfahrungen sammeln.

Um für den Schulstart gut gewappnet zu sein muss die Sprachentwicklung, die motorische Entwicklung und die Wahrnehmung des Kindes altersgerecht entwickelt sein. Nun sind einige Kinder aus unterschiedlichen Gründen in ihrer Entwicklung verzögert und haben dadurch einen schwierigeren Schulstart. Die Eltern oder die Ärzte dieser Kinder haben diese Entwicklungsverzögerungen oder - störungen oft schon erkannt und noch vor Eintritt in die Schule therapeutische Maßnahmen eingeleitet, um den Rückschritt aufzuholen. Prävention bedeutet nun also vorbeugende Maßnahmen einzuleiten, um zu verhindern, dass sich aus einer Konzentrationsschwäche, einer Schwäche der Merkfähigkeit, einer Hörverarbeitungs- oder Sehschwäche perspektivisch ein Schulversagen entwickelt.

Im Kindergartenalter unterstützen wir die Kinder bei Sprachentwicklungsverzögerungen. Spielerisch erweitern wir den Wortschatz der Kinder, bahnen fehlende Laute an und üben die richtige Aussprache und den Satzbau.

Bei einigen Kindern äußern sich schulungünstige Faktoren aber erst in der Schule. Die erste Maßnahme, die die Schule dagegen einleitet ist der Einsatz der sonderpädagogischen Lehrkraft aus unserem Kollegium, die mit mindestens zwei Stunden in der Woche die Kinder in der ersten und zweiten Klasse begleitet.

Die Grundschulen organisieren ihre Präventionsarbeit unterschiedlich:

A)
Einige richten eine sogenannte Präventionsklassen ein, um die Sonderschullehrkraft dort einsetzen zu können. Der Unterricht in dieser Klasse steht inhaltlich dem der Parallelklassen in nichts nach. Im Gegenteil, wir helfen dort eine stabile Basis für die Grundfähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder zu bilden, indem wir in den Unterricht Fördermaßnahmen für die auditive und visuelle Wahrnehmung als Grundlagen für das Lesen und Schreiben einfließen lassen. Des Weiteren legen wir großen Wert auf die sprachliche und stimmliche Entwicklung der Kinder und bereichern den Unterricht spielerisch durch logopädische Elemente. Wir sind bemüht, in den Fächern Deutsch und Mathematik den Unterricht gemeinsam mit den Fachlehrern vorzubereiten. So können wir die sonderpädagogischen Maßnahmen in das Unterrichtsgeschehen einfließen lassen. Auch bei der Wahl der Lehrmaterialien stehen wir den Kollegen der Grundschulen beratend zur Seite und achten darauf, dass möglichst alle Kinder die Chance haben den Unterrichtsinhalten folgen zu können. Außerdem ergänzen wir das eingesetzte Material durch Differenzierungsangebote.

B)
Andere Grundschulen verteilen bewusst die Kinder mit erhöhtem Zuwendungsbedarf auf alle Klassen des Jahrgangs. Es werden dann mehrmals wöchentlich Lernwerkstätten eingerichtet, in denen jahrgangsübergreifend die Schüler nach ihren Leistungsmöglichkeiten zugeordnet werden. Die Gruppe mit erhöhtem Förderbedarf wird dann von der Sonderpädagogin geleitet.Weiterhin werden besondere Förderkurse angeboten, in denen die Schüler je nach Bedarf ein besonderes Training der Wahrnehmung, Bewegung und /oder der phonologischen Bewusstheit erhalten. Mitunter werden auch gezielt Fördergruppen mit Schülern des Jahrgangs 1 und 2 gebildet, die einen erhöhten Förderbedarf haben. Diese Schüler erhalten dann mehrmals wöchentlich gezielte und individuelle Förderung in den verschiedensten Bereichen.

Allgemein stehen wir den Kollegen beratend zur Seite und unterstützen sie bei Elterngesprächen oder stellen den Kontakt zu anderen Instituten her.

Reichen diese präventiven Unterstützungsangebote nicht aus, weil ein langfristiger und intensiver Förderbedarf vorliegt, wird nach dem zweiten oder dritten Schulbesuchsjahr ein sonderpädagogisches Gutachten erstellt und das Kind wird, in seinem Klassenverband verbleibend, zieldifferent unterrichtet.